.

Ordnung halten - das ist sein Job Diesen Text vorlesen lassen

121217 Ordnung halten - das ist sein Job

 

Michele Sciandrello wollte aus der Behindertenwerkstatt raus und arbeitet seit mehr als einem Jahr in der McDonalds-Filiale in West. Für sein selbstbewusstes Bestreben wurde er jetzt von Landschaftsverband ausgezeichnet.
Von Stefan Mülders
RATINGEN WEST Michele Sciandrello ist ein ganz normaler Mitarbeiter bei McDonalds an der Lise-Meitner-Straße. Eigentlich. Denn der 26-Jährige mit italienischen Wurzeln ist behindert. Nach Komplikationen bei der Geburt ist er rechtsseitig teilweise gelähmt, kann seine rechte Hand nicht benutzen und den Arm nur eingeschränkt bewegen. „Das Bein ist nicht ganz so schlimm betroffen, ich humpele nur ein wenig.“ Darum kann er auch nicht alle Arbeiten erledigen, die die übrigen Mitarbeiter machen. Packen von Tüten oder Kartons funktioniert nicht. Bisher gehörten vor allem das Tische abräumen, Leeren von Tablettwagen und wischen zu seinen Hauptaufgaben. „Ich halte hier alles in Ordnung. Übrigens auch draußen.“ Zurzeit wird er am Drive-In-Schalter geschult. „Bestellungen entgegen nehmen und kassieren kann ich nämlich durchaus auch“, sagt er stolz. Inzwischen kennen ihn die zahlreichen Stammkunden mit Namen und ein bisschen hat er sie sich sogar schon „erzogen“. Wenn Michele kommt, sorgen die nämlich dafür, dass die eigenen Tabletts ordentlich aussehen. „Und manchmal helfen sie mir auch beim Tragen.“
Anfang Dezember wurde er in Köln mit der Auszeichnung „Arbeit - echt stark!“ des Landschaftsverbandes Rheinland ausgezeichnet. Damit werden Menschen mit Behinderung geehrt, die mit Unterstützung ihres Arbeitgebers „ihre besonderen Fähigkeiten, Begabungen und Talente bei ihrer Arbeit einsetzen und entfalten“.
Bevor er 2011 zu McDonalds kam, hat Sciandrello sieben Jahre lang in einer Behindertenwerkstatt in Langenfeld gearbeitet. „Ich habe dort Montagearbeiten gemacht, wusste aber immer, dass ich mehr kann.“ Bei eigenen Besuchen in Schnellrestaurants beobachtete er dort die Mitarbeiter. „Da hab ich mir gedacht: Das kann ich auch. Und ich habe auf meine Betreuer Druck gemacht, dass ich in den normalen Arbeitsmarkt will.“ Sein Glück: Marcus Prünte als Betreiber von mehreren Schnellrestaurants in der Region hatte seine Personalabteilung gerade auf die Suche nach behinderten Mitarbeitern geschickt. „Ich habe auf einer Schulung das Beispiel einer Münchener Filiale kennen gelernt und war begeistert“, erzählt er. Zunächst war die Idee, einen Rollstuhlfahrer speziell für den Drive-In-Schalter zu finden. Doch bauliche Hindernisse standen dem entgegen. „In den Mietobjekten war das leider nicht umzusetzen. Aber dann sind wir auf Michele gestoßen und haben ihn zum Praktikum eingeladen.“ Die Erfahrungen mit der fehlenden Barrierefreiheit wurde an die Bauabteilung weiter gegeben. „Für neue Restaurants lässt sich dieser Aspekt berücksichtigen“, hofft Prünte. Der Unternehmer selbst und seine Führungskräfte lernten weiteres hinzu. „Es war schon eine Umstellung, festzustellen, dass Michele anfangs nicht die normalen Schichten mitmachen konnte. Mehr als zwei Stunden Arbeit war er nicht gewohnt, er brauchte also mehr Pausen. Wir haben ihn dann schrittwiese an die normale Arbeitszeit herangeführt.“ Und Sciandrello schiebt ein: „Inzwischen arbeite ich die üblichen Acht-Stunden-Schichten.“
Für seinen Traum nimmt der Monheimer sogar Hin- und Rückfahrten mit Bus und Bahn von rund einer Stunde auf sich. Schon beim Praktikum fiel sein Ehrgeiz auf. Selbstbewusst zeigte er sich im Umgang mit Kollegen und Gästen. „Michele ist immer sehr offen mit seiner Behinderung umgegangen und hat auftretende Probleme und Unterstützungsbedarf immer zur Sprache gebracht“, sagt Ellen Patzwall, Personalleiterin für die McPrünte-Restaurants. Die Intergration Behinderter ist ihr und Marcus Prünte ein ernsthaftes Anliegen. „Wir haben zu vielen Stellen Kontakt aufgenommen, am besten klappt die Zusammenarbeit mit den Werkstätten des Kreises Mettmann“, sagt Patzwall. Und nicht nur die „Rekrutierung“ eigenen Personals läuft über diese Verbindung. Die Außenanlagen der fünf Restaurants mit Drive-In-Konzept werden von der Landschaftsgärtnerei der Behindertenwerkstätten gepflegt.
Für Michele Sciandrello soll die Arbeit bei McDonalds kein Ende haben. „Solange ich fit bin, will ich hier bleiben“, sagt er. „Das Team ist toll, wie eine zweite Familie.“ Und das will was heißen, bei vier Geschwistern, die der Deutsch-Italiener vorzuweisen hat.

Unternehmensgruppe mit elf Standorten
Marcus Prünte unterhalt als Franchise-Nehmer insgesamt elf McDonalds-Restaurants in der Region, zwei davon in Ratingen, eines in Wülfrath und jeweils vier in Essen und Mülheim. Zwischen 400 und 450 Menschen arbeiten für diese Restaurants. Darunter sind zehn Schwerbehinderte und drei Lernbehinderte. Diese werden in Kooperation mit dem Christlichen Jugenddorf Moers betreut.



Autor: Muelders -- 31.03.2013; 22:40:11 Uhr

Dieser Artikel wurde bereits 4327 mal angesehen.



Barrierefreies Webdesign Powered by CMS (Content Management System) Papoo 696959 Besucher